Jens Spahn hatte viele Themen im Gepäck

Menschen_Foto_Haus

Die deutsche Debattenkultur, das Bildungssystem, die Digitalisierung, das Thema Pflege und die Organspende. Die rund 90-minütige exklusive Diskussionsveranstaltung zwischen dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und den Wirtschaftsjunioren Paderborn+Höxter bot eine Fülle an Themen und mit der Stadtbibliothek Paderborn einen würdigen Rahmen.
„Schön, dass wir uns in einer Bibliothek treffen. Gerade hier ist es gut zu sehen, wie die klassischen und die digitalen Medien zusammenwachsen“, sagte Spahn im Rahmen seines Impulsvortrags. Dort spielte die Digitalisierung im Gesundheitswesen dann auch eine entsprechende Rolle. „Ich glaube, dass sie viele Veränderungen und Entlastungen bringen wird. So zum Beispiel bei der Dokumentationspflicht für Ärzte. Wenn eine Software die Diagnose parallel zur Untersuchung aufzeichnet, fällt die Extrazeit für die Schreibarbeit weg. In der Pflege werden uns in den nächsten Jahrzehnten sicher Roboter auf die eine oder andere Weise unterstützen. Der Faktor Mensch wird trotzdem weiter sehr wichtig sein. Der Beruf der Pflegekraft bleibt ein Beruf mit Zukunft“, betonte Spahn.

IMG 20180908 WA0040

Die Gesellschaft muss wieder lernen, zu debattieren

Da die Digitalisierung für eine veränderte Öffentlichkeit sorge, müsse die Gesellschaft allerdings aufpassen, nicht ihre Fähigkeit zur Debatte zu verlieren. „Ich glaube immer noch, dass man in Deutschland alles sagen kann. Wenn dem so ist, muss man aber damit rechnen, dass es Reaktionen gibt. Was mir in diesem Prozess derzeit fehlt, ist der Bezug zur Sach- und Faktenebene. Die Diskussionen sind zu schnell auf der moralischen oder emotionalen Schiene. Wer die Fakten außer Acht lässt, wird nie zu einer tragfähigen Lösung für die Zukunft kommen. Dann entsteht schnell Frust und ein Vertrauensverlust dem politischen System gegenüber. Wir müssen wieder lernen, zu debattieren“, forderte Spahn. Er selbst merke die schwierige Diskussionsgemengelage derzeit beim von ihm angeschobenen Thema der Organspende. „Es gab im vergangenen Jahr 800 Transplantationen, aber 10.000 Menschen warten auf ein Organ. Da ist ein Schiefstand, obwohl die Zahl der Menschen mit Organspendeausweisen steigt.“ Spahns Ansatz ist, an dieser Stelle die Kliniken mit höheren Zeitkontingenten und mehr Geld auszustatten und die Gesellschaft zu einer aktiven Entscheidung für oder gegen die Organspende zu bewegen. „Ich setze mich für die doppelte Widerspruchslösung ein. Kern ist, dass sich jeder, der nicht spenden möchte, aktiv dagegen entscheiden muss. Hat er das zu Lebzeiten nicht getan, dann müssen nach dem Ableben die Angehörigen darüber entscheiden. Ob es am Ende so kommt, werden wir wahrscheinlich im kommenden Frühjahr sehen. Mir ist wichtig, dass das Thema auf den Tisch kommt und in der breiten Öffentlichkeit diskutiert wird“, sagte der CDU-Politiker. DSC 0087 1

Den Wert des Handwerks stärker betonen

In Sachen Bildung brach Spahn eine Lanze für die Abschlüsse neben dem Abitur. „Menschen sind nicht nur als Akademiker zu etwas zu gebrauchen. Wir müssen den Wert der weiteren Abschlüsse und zum Beispiel den Wert der Handwerksarbeiten wieder mehr betonen“, so Spahn, der auch die rund 30 anwesenden Mitglieder der Wirtschaftsjunioren Paderborn+Höxter dazu aufforderte, über den Tellerrand hinaus zu schauen. „Das Paradoxe ist, dass wir in einem Land leben, dem es so gut geht, wie noch nie. Trotzdem haben wir die aktuellen Stimmungslagen und fehlendes Vertrauen in die Politik. Das sollte uns zeigen, dass die Wirtschaftsleistung zwar bedeutend ist, es aber eben noch viele Sachen daneben gibt, auf die die Menschen schauen.“ Wie Michael Kubat, der die Diskussionsrunde gemeinsam mit Philipp Frahmke und dem Arbeitskreis Zukunft und Politik innerhalb der Wirtschaftsjunioren organisiert hatte, im Anschlussstatement betonte, ist die Botschaft in den Kreisen der Unternehmer schon längst angekommen: „Gerade wir Wirtschaftsjunioren zeichnen uns dadurch aus, dass wir Themen kontrovers diskutieren und immer wieder aus neuen Blickwinkeln heraus betrachten. Die heute erhaltenen Impulse nehmen wir gerne mit auf.“

 


Bildnachweis: Besuch Jens Spahn am 8. September 2018, Fotos: Philipp Frahmke, Mark Heinemann

 


Weitere Neuigkeiten

ShareXperience 60
23. November 2022

ShareXperience: Ein aufgeschlossener und offener Austausch

Der eine Jahrgang endet, der neue ist bereits gestartet. Während die Teilnehmer der fünften ShareXperience-Runde ein insgesamt positives Fazit gezogen zogen, haben sich die Tandems der sechsten Ausgabe mit viel Enthusiasmus auf den Weg gemacht. Viele Themen besprochen Sieben Tandems bestehend aus jungen Unternehmern, den Mentees, und erfahrenen Unternehmern, den Mentoren, haben an ShareXperience 5.0 […]

IMG 0529
22. November 2022

Netzwerktreffen der Vorstände aus OWL

Schön war’s. Die Vorstände der Wirtschaftsjunioren Ostwestfalen, der Wirtschaftsjunioren Lippe und der Wirtschaftsjunioren Paderborn+Höxter haben sich in der Vorweihnachtszeit zum zwischenzeitlich durchaus etablierten Netzwerktreffen verabredet. In diesem Jahr folgten wir der Einladung unserer Freunde aus Lippe in das Altstadt Hotel in Detmold. Herzlichen Dank für den sehr guten und persönlichen Austausch. Wir freuen uns auf […]

Pressebild 1
16. November 2022

Staatssekretär Daniel Sieveke mit Heimspiel

Es war ein sehr kurzweiliger Austausch: Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Wirtschaftsrats der CDU e. V. der Sektion Herford unter der Leitung des Sektionssprechers von Lars Kinkeldey konnten die Wirtschaftsjunioren Paderborn+Höxter mit Ihrem Vorsitzenden Philipp Frahmke in einen persönlichen Dialog einsteigen. Gast war niemand geringeres als Daniel Sieveke, Staatssekretär im Ministerium für Heimat, Kommunales, […]