Entspannung ist erst 2024 in Sicht – Nachhaltigkeit bleibt das zentrale Thema

Zinsen, Inflation, Nachhaltigkeit, Arbeitskräftemangel, Ukrainekrieg, Energiekrise. An Themen mangelte es dem traditionellen Aschermittwochs-Fischessen der Wirtschaftsjunioren und des Wirtschaftsclubs Paderborn+Höxter bei der Sparkasse Paderborn-Detmold nicht. Für den Referenten Hubert Böddeker war der Abend noch aus einem weiteren Grund besonders.

Hubert Böddeker tritt in den Ruhestand – Verbindung zwischen Sparkasse und Wirtschaftsjunioren wird bleiben

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Paderborn-Detmold verabschiedet sich am 31. März nach über 45-jähriger Tätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand und stand der heimischen Wirtschaft somit letztmalig mit seinem konjunkturellen Ausblick auf dieses und das kommende Jahr Rede und Antwort: „Mit 67 Jahren ist dann halt irgendwann einmal Schluss. Einerseits freue ich mich auf andere Eindrücke, andererseits werde ich meine Arbeit und solche Abende wie diese vermissen. Ich bin mir aber sicher, dass mein Nachfolger die langjährig gewachsene und sehr erfolgreiche Verbindung zu den Wirtschaftsjunioren und dem Wirtschaftsclub aufrecht erhalten wird.“ Die Sparkasse Paderborn-Detmold unterstützt und fördert die Wirtschaftsjunioren schon seit Jahren als Goldsponsor. Seinem Vortrag „Zinsen, Inflation, Fachkräfte, Nachhaltigkeit… Wohin entwickelt sich unsere Wirtschaft?“ stellte Böddeker eine zentrale Botschaft voran: „Nachhaltigkeit ist das zentrale Thema für alle Gedanken, Reformen und Ideen, die wir haben. Wenn wir es nicht hinbekommen, nachhaltig mit dem Klima und unseren Ressourcen umzugehen, brauchen wir uns über den Rest keine Gedanken mehr zu machen. Leider fällt die Nachhaltigkeit, weil sie eben auf lange Sicht gedacht werden muss, bei den vielen aktuellen Krisen zu oft hinten runter. Dabei haben wir keine Zeit mehr, um zu handeln.“

Lebenserhaltungskosten auf Dauer teurer – Politik hat Maßnahmen verschlafen

Zu den aktuellen Krisen zählen für Böddeker der Ukrainekrieg und die Energiekrise ebenso, wie der demographische Wandel, der daraus resultierende Mangel an Arbeitskräften und die Inflation. „Wir müssen die Krisen in das globale Geschehen einbetten und daher davon ausgehen, dass die Inflation und die Zinsen in diesem Jahr weiter steigen und die Lebenserhaltungskosten auf Dauer teurer werden. Prognosen gehen davon aus, dass sich die Lage erst 2024 entspannt“, so Böddeker. Kritik äußerte er im Anschluss mit Blick auf den demographischen Wandel an der Politik, die richtungsweisende Maßnahmen jahrzehntelang verschlafen habe. Und das, obwohl die derzeitigen Probleme auf dem Markt Arbeitskräfte zu finden, durch die sinkenden Geburtenzahlen vorhersehbar waren. „Das Babyboomer-Jahr war 1964. Was ist seitdem an Maßnahmen gemacht worden? Es dauert aktuell im Durchschnitt 160 Tage, bis eine freigewordene Stelle in einem Unternehmen neu besetzt ist. Dadurch produzieren Unternehmen nicht mehr in voller Auslastung, was am Ende, neben den Problemen wegen unterbrochener Lieferketten, die Produkte auf dem Markt verringert und teurer werden lässt.“ Gleichzeitig kämen ausländische Arbeitskräfte in das Land, ohne das klar ist, wo diese auf dem Markt eingesetzt werden können. „Auch hier, muss durch die Politik dringend nachgesteuert werden“, so Böddeker.

Hohe Energiepreise sorgen für Deindustrialisierung in Deutschland

Ein weiteres Kernproblem ist für den 67-Jährigen die weiterhin vorhandene Energieproblematik. „Einerseits ist die Gasversorgung noch längst nicht dauerhaft gesichert. Das würde die Wirtschaft zuerst treffen. Andererseits sorgen die hohen Preise schon jetzt dafür, dass wir eine Deindustrialisierung im Land erleben“, warnt Böddeker. Große Industrieunternehmen zeigten verstärkt die Tendenz Deutschland zu verlassen, weil sie in anderen Ländern effektiver gefördert werden und insgesamt weniger für ihre Produktionen zahlen müssen. Dabei müsse der Blick nicht nur nach China, sondern auch in die USA gehen, die ausländische Firmen ebenso ins Land locken. „Das passiert jetzt schon und gefährdet auf Dauer eine Vielzahl an Arbeitsplätzen, gerade auch bei den mittelständischen Zuliefererfirmen. Deshalb muss die Politik auch dort besonders hinschauen und neue Anreize und Unterstützungsmöglichkeiten schaffen“, betont Böddeker, dessen Fazit am Ende trotzdem vorsichtig optimistisch ausfiel: „Die Weltwirtschaft steht vor strukturellen Veränderungen, wächst aber trotzdem weiter. Die Zinsen werden in diesem Jahr weiter steigen. Aktien und Wertpapiere bleiben weiterhin eine auf lange Sicht erfolgsversprechende Anlageform.“ Thomas Sprehe, Vorsitzender des Wirtschaftsclubs, und Philipp Frahmke, Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren, überreichten dem scheidenden Sparkassenvorstand im Anschluss ein Präsent und sagten eine Spende im Wert von 250 Euro an das Inklusionszentrum St. Christopherus des Caritasverbandes Paderborn e.V. zu.

Hauptfoto:

Gute Tradition: Thomas Sprehe und der Wirtschaftsclub (l.) sowie Philipp Frahmke und die Wirtschaftsjunioren (r.) waren auch in diesem Jahr wieder Gast der Sparkasse Paderborn-Detmold beim Aschermittwochs-Fischessen. Hubert Böddeker gab einen Ausblick auf die konjunkturelle Entwicklung der nächsten Monate. Für den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse war es aufgrund seines nahenden Ruhestands die letzte gemeinsame WJ-Veranstaltung in offizieller Funktion.


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