Wie Computer das Leben in den nächsten Jahren verändern

Wie Computer das Leben in den nächsten Jahren verändern

Wie Computer das Leben in den nächsten Jahren verändern

„Die technologische Entwicklung der beiden letzten Jahrzehnte ist beängstigend und faszinierend zugleich“, sagte Christian Hake bei seiner Begrüßung zum Vortrag „Wie Computer in den nächsten Jahren unsere Leben verändern“, zu dem er als Leiter des Arbeitskreises „Zukunft und Politik“ der Wirtschaftsjunioren Paderborn + Höxter in das Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) geladen hatte. „Doch die großen Umwälzungen kommen erst noch“, kündigte Referent Dr. Kurt Beiersdörfer an, bevor er einen faszinierenden Ausblick auf die nächsten zehn bis fünfzehn Jahren eröffnete. Zuverlässige Zukunftsprognosen seien zwar immer schwierig, räumte der HNF-Geschäftsführer ein, doch stütze er seine Ausführungen ausschließlich auf bereits vorhandene Technologien.

„Die Dynamik der Entwicklung wird sich aus der Vernetzung ergeben“, so Beiersdörfer. „Das macht die Veränderungen aus.“ Gleichzeitig würden die Geräte immer kleiner, immer leistungsfähiger, immer mobiler. „PC-Power wandert also in immer mehr Geräte und macht sie intelligent.“ Mit der schrittweisen Umstellung auf das neue Internetprotokoll IPv6s stünden zudem künftig unvorstellbar viele IP-Adressen zur Verfügung. „Dann kann tatsächlich jede Lampe ihre eigene IP-Adresse haben.“

Vor dem Hintergrund dieser technischen Entwicklungen werde sich unter anderem das Smart-Home weiterentwickeln, so der Computerexperte, und präsentierte ein heute schon machbares Szenario: „Kurz vor dem Aufstehen springt die Heizung an. Der Wecker klingelt 20 Minuten früher als sonst, weil auf dem Weg zum heutigen Termin ein Stau gemeldet ist. Kurz nach der Kaffeemaschine stellt sich – je nach Jahreszeit – auch die Sitzheizung im Auto an. Später schickt dann der Kühlschrank den aktuellen Einkaufszettel auf Ihr Smartphone.“

Enorme Veränderungen bei der Mobilität sieht Beiersdörfer besonders durch eine Technologie: „Selbstfahrende Autos gibt es seit fast zwanzig Jahren. Nun aber treiben die Internet-Konzerne diese Entwicklung voran.“ Schon jetzt sei in den Großstädten ein Wertewandel weg vom eigenen Auto zu beobachten. „Autos werden zur Dienstleistung“, glaubt Beiersdörfer. „Wofür brauche ich ein eigenes Auto, wenn mir in wenigen Minuten ein selbstfahrendes Auto kostengünstig bereit steht.“

Wo der stationäre Einzelhandel überlebt, werde er nach Einschätzung des Experten mindestens durch praktische „Selfout“-Terminals oder eine Einkaufsbegleitung per Smartphone aufgerüstet sein. „Der Online-Handel legt weiter zu und wird seine Defizite gegenüber dem Laden vor Ort kompensieren.“ So könnten Waren in Zukunft durch Drohnen oder selbstfahrende Autos noch am Tag der Bestellung ausgeliefert werden.

Auch die industrielle Produktion stehe vor einem tiefgreifenden Wandel. „Immer mehr Geräte im Produktionsprozess werden intelligent und können miteinander kommunizieren“, erklärt Beiersdörfer. „Das Werkstück kommuniziert mit der Maschine und das Verschleißteil meldet sich rechtzeitig zum Austausch.“ Eine regelrechte Revolution erwartet er außerdem durch den 3D-Druck. So gebe es schon jetzt ein riesiges Angebot an Objekt-Daten zum Download. „Es kann gut sein, dass Sie in einigen Jahren ihre Fehlsichtigkeit per App selber messen und die Brille in der richtigen Sehstärke einfach ausdrucken.“ Auch Ersatzteile würden wahrscheinlich bald nicht mehr physisch vorgehalten, sondern bei Bedarf ganz einfach ausgedruckt.

Eine gewaltige Entwicklung erwartet Beiersdörfer bei der künstlichen Intelligenz. So konnte das Computersystem „Watson“ von IBM bereits 2011 zwei der besten menschlichen Jeopardy-Spieler schlagen. „Bei diesem Spiel geht es um Sprachverständnis und darum, um die Ecke zu denken.“ Nach seiner Einschätzung werde man in zehn bis fünfzehn Jahren Hochleistungscomputer am Körper tragen, die gesprochene Sprache inhaltlich verstehen. „Durch die stetig wachsenden Leistungsfähigkeit der Prozessoren wird es bis dahin auch Chips mit ebenso viel Transistoren geben, wie ein menschliches Gehirn Neuronen hat“, so Beiersdörfer. „Und dann sind Maschinen mit Bewusstsein auch nicht mehr weit weg.“ Hier bestehe allerdings die Gefahr einer „Intelligenz-Explosion“, die nicht mehr kontrollierbar ist.

„Bei dieser rasanten Entwicklung müssen wir schon aufpassen, dass alles in den richtigen Bahnen läuft“, betonte Beiersdörfer abschließend. „Wir müssen hier auch grundsätzliche ethische Fragen diskutieren.“ Eine weitere Kehrseite der technologischen Medaille sei die ständige Gefahr durch Hacking und die Kontrolle durch Datensammlung. „Es geht also darum, verbindliche digitale Grundrechte zu definieren.“